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Zum 350. Todestag von Paul Gerhardt
Am 27. Mai 1676, vor 350 Jahren, starb der evangelisch-lutherische Pfarrer Paul Gerhardt.
Leiderfüllt war sein Leben und seine Zeit: der Dreißigjährige Krieg mit seinen Schrecken, mit Hunger, Seuchen und Verwüstung begleitete ihn die Hälfte seines Lebens.
Früh Waise geworden, verlor er später vier seiner fünf Kinder und seine Frau, erlebte Konflikte im Amt, Verluste, Unsicherheiten. Dennoch blieben von ihm Worte voller Kraft und Schönheit, mit denen er Freude, Zuversicht und Trost bringt. Den meisten wird er durch seine wunderbaren Liedtexte bekannt sein, die noch heute in unserem Gesangbuch zu finden sind.
Da sind z.B. das Weihnachtslied „Fröhlich soll mein Herze springen“ (EG 36), das Osterlied „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ (EG 112) oder das schöne „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ (EG 503).
Da spricht ein Mensch, der das Leben in seiner Zerbrechlichkeit, in seiner Schwere, im Schmerz und in seiner Schönheit kennt und der dennoch diesem Leben nicht das letzte Wort überlässt. Paul Gerhardt ist ein Mensch tiefen Gottvertrauens gewesen. Über all der Freude, die er empfand, sah er die Gnade und Liebe unseres Gottes; in all dem schweren Leid, was er erlebte – das Vertrauen in seinen Herrn und Erlöser Jesus Christus war tiefer als die bitteren Umstände. „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken; Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, die dein Fuß gehen kann.“ (EG 361) Paul Gerhardts Worte tragen. Sie reden von einem Gott, der nicht fern, sondern gegenwärtig ist; einem großen Gott, dem ich, auch wenn ich ihn nicht verstehe, vertrauen kann: „Er wird’s wohl machen.“ Die Worte dieses Liedes haben unzähligen Menschen Halt und Hoffnung gegeben und sie getröstet. Es lohnt, seine Texte zu lesen.
Sie bergen einen Glaubensschatz.
Aber nicht nur seine Dichtungen, auch sein Leben verdient Beachtung. Paul Gerhardt war ein standhafter Bekenner seines Glaubens. Als Friedrich Wilhelm, der „Große Kurfürst“ von Brandenburg, die lutherischen Theologen seines Landes zu einer Unterschrift zwang, die ihr Glaubensbekenntnis beschränkte, weigerte er sich als einer der wenigen.
Es war für ihn eine Wahrheitsfrage, nicht eine bloße Formsache.
Seine Glaubenstreue hatte ihren Preis: mit seiner Weigerung verlor er sein Amt, sein Einkommen, seine Arbeitserlaubnis. Für ihn lag in seiner Entschei-dung Verantwortung vor Gott und dem eigenen Gewissen.
Dieser Mut war in seiner Zeit selten – und heute ist er es erst recht.
Paul Gerhardt verlor lieber sein Amt, als seine Überzeugungen aufzugeben.
In Lübben im Spreewald, das damals zu Sachsen gehörte, fand er als alter Mann seine letzte Pfarrstelle.
Dort liegt er in der heute nach ihm benannten Kirche begraben.
K.HV.
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